Kiss Lounge

von Alexander Wohnhaas

Nur noch eine weitere altbackende Vampirgeschichte?
Weit gefehlt, in seinem Erstlingswerk „Kiss Lounge“ gelingt es Alexander „Lex“ Wohnhaas, dem Sänger der Band „Megaherz“ sich dem, zugegeben schon sehr in Literatur und Film breitgetretenem Thema der Vampire und Untoten auf eine Art und Weise anzunehmen, die den Leser ab der ersten Seite in den Bann zieht.

Geschickt werden in Kiss Lounge zwei komplett unterschiedliche Handlungsstränge miteinander verflochten, die die Erzählung lebendig und bis zum Ende spannend gestalten.

Der eine Handlungsstrang handelt von Robert und Tom, zwei Freunden aus Jugendtagen, die sich, wie schon so oft in ihrer Stammkneipe ein Bierchen genehmigen. Doch an diesem Abend ist alles anders. Durch die Begegnung mit einem geheimnisvollen Fremden, der sie überreden kann ihn in die Kiss Lounge, dem nach seinen Auskünften mit Abstand geilsten Laden der Welt, zu begleiten, beginnt für die zwei Freunde eine Reise in eine unheimliche, verruchte, aber auch andererseits so verlockende und phantastische Welt.
Allerdings lässt schon die Fahrt dorthin zumindest Robert, der in diesem Handlungsstrang die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, misstrauisch werden und Böses erahnen. Aber ein durchgeknallter Punk als Chauffeur, mit aufgemotztem Kadett C und Audi 100 Motor als fahrbarerem Untersatz, genügen für sich allein nicht, sein Misstrauen so weit zu steigern, dass es ihn von ihrem, als phantastisch wollüstigem Männertraum angepriesenen Reiseziel, der unglaublichen Kiss Lounge abzubringen könnte. Und unglaublich ist die Kiss Lounge wirklich, sogar so unglaublich, wie sie sich Robert und Tom niemals in ihren Träumen hätten vorstellen können. Doch ein altes Sprichwort sagt: „Es ist nicht alles Gold was glänzt!“ Und dass Schein und Sein manchmal sehr nah bei einander liegen, müssen Robert und Tom bei ihrem nächtlichen Abenteuer schneller als ihnen lieb ist auf makabere Art am eigenem Leib erfahren….

Derartig nächtliche Abenteuer sind bestimmt nicht das Spezialgebiet des bayrischen Landwirtes Alois Hallhuber, der Hauptfigur des zweiten Handlungsstrangs. Zwar hätte er gegen ein gemütliches Bier, wie es sich Robert und Tom am Anfang ihres Abends gegönnt haben, sicherlich nichts einzuwenden gehabt, aber dass wäre dann auch das einzigste Abenteuer, was sich Alois Hallhuber in seinem sonst in so ruhigen Bahnen verlaufenden Leben zugestehen würde. Was würden andernfalls auch die Nachbarn sagen? Schon seit vielen Jahren ist er verheiratet, lebt er mit seiner Frau Marianne und dem Vieh weit außerhalb von der nächsten Ortschaft auf seinem Hof. Aber als er eines Nachts, plötzlich in ein aufregendes Abenteuer mithineingezogen wird, dem er sich vor Neugier einfach nicht entziehen kann, werden er und sein Weltbild vor eine harte Prüfung gestellt, die ihn noch länger beschäftigen wird, als es ihm lieb sein wird…

Zwar hat Alexander „Lex“ Wohnhaas die Vampirgeschichte nicht neu erfunden, ganz im Gegenteil, beim Lesen fühlt sich der Leser oft an alte Bekannte wie „Tanz der Vampire“ und auch „From Dusk till Dawn“ erinnert. Aber es gelingt ihm, in seiner Geschichte die besten Eindrücke aus diesen Inspirationsquellen zu vereinigen und sie so, durch einen abwechselungsreichen Mix, gepaart mit eigenen Elementen, in neuem Glanze in einer modernen Szene-Vampirstory auferstehen zu lassen. Kiss Lounge und die ebenfalls im Buch und sogar auf beiliegender Hör-CD enthaltene Parabel „Die Verschwundenen Prinzessin“ und das „Handbuch zum richtigen Umgang mit Untoten“ runden das Werk insgesamt ab, so dass es bei dem im Moment tristen Herbstwetter, die Zeit auf der heimischen Couch zu einem kurzweiligen und spannenden Erlebnis werden lässt. (vl)

Wertung:

Weitere Informationen:

Veröffentlichung: 31.07.2009
Verlag: Periplaneta
ISBN: 3940767360
Seiten: 154

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Eine Besprechung vom 13.03.2008.

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